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17. März 2017 Zurück

Equal Pay Day: 77 Tage umsonst arbeiten

Mit den signalroten Kisten zeigt das Frauennetzwerk Missstände bei der Gleichberechtigung auf. Foto: Stephanie Tatenhorst

Von Stephanie Tatenhorst

Seit zehn Jahren wird in Deutschland der Equal Pay Day genutzt, um die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen bei der gleichen Arbeit deutlich zu machen. Seither sank die Quote um zwei Prozent.
"Das reicht nicht", sind sich im Kreis Unna die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinde sowie die Mitarbeiter des Jobcenters, der Agentur für Arbeit, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna, der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet und des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet einig. Zum dritten Mal in Folge haben sie sich zusammengeschlossen, um gemeinsam für Transparenz und gleiche Bezahlung zu kämpfen.

Ein neues Motto gibt es in diesem Jahr nicht. Stattdessen wird auf die vergangenen zehn Jahre zurückgeblickt - und ein Ziel für die Zukunft genannt: Im Jahr 2020 und damit schon in drei Jahren soll der Equal Pay Day kein Thema mehr sein. Dann soll es gleichen Lohn für gleiche Arbeit geben. Ein utopisches Ziel? Das verneinen die Aktivisten.
"Wir wollen keine Geschenke", unterstreicht Josefa Redzepi, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt Unna. "Das ist Europarecht, das ist deutsches Recht. Das steht überall - es muss nur endlich umgesetzt werden."
Dazu wurden in den vergangenen Jahren auch die dicksten Bretter bereits angebohrt - und es gab ein Umdenken in der Gesellschaft. "Junge Menschen wünschen sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Kindererziehung, Haushalt und Job", sagt Martina Bierkämper aus Bergkamen. Eine 50:50-Teilung ist Wunsch Nummer 1." Doch der neue Dreiklang scheitert an der Realität. Spätestens, wenn ein Kind da ist. Noch immer nähmen Frauen mit 11,7 Monaten den Löwenanteil  der Elternzeit, während die Männer es im Schnitt auf 3,5 Monate schafften, sagt die Statistik.
"Und bei Alleinerziehenden stellt sich die Frage gar nicht", betont Ulrike Schatto, im Jobcenter Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. "Armut ist weiblich", weiß sie von Frauen, die mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen, die nur in Teilzeit arbeiten können oder Mini-Jobs übernehmen. "Und dann kommt die große Rentenlücke", blickt sie in die Zukunft.  Männer erhielten 994 Euro, Frauen 576 Euro Rente. "Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit - und wenn wir in dem Tempo weitermachen wie bisher, brauchen wir 192 Jahre, um Gleichstand zu haben."

Die Gesetzeslage, so weiß jedoch Birgit Mescher aus Fröndenberg, war nie so positiv wie im Moment. "Die Frauenquote setzt sich immer mehr durch", erinnert sie an eine Forderung der vergangenen Jahre, mehr Frauen in Führungspositionen zu lassen. "Mädchen lernen jetzt auch früh, die Gender-Brille abzunehmen und ihre eigenen Ziele zu verfolgen."

Nichts desto trotz muss sich vor allem an der Wertigkeit der Arbeit  etwas ändern. "Pro Stunde liegt der Bruttoverdienst eines Mannes bei 20,59 Euro", rechnet die Runde vor. "Eine Frau bekommt 16,20 Euro. Für die selbe Tätigkeit." Im Kampf dagegen sei die Verabschiedung des Entgeltgleichheitsgesetz ein wichtiger Schritt, sagt Redzepi. Und das ist aktuell in der parlamentarischen Beratung. Dennoch kritisiert sie, dass technische Arbeit nach wie vor besser bezahlt wird als Beteuungsleistungen. "Ist der Dienst am Menschen wirklich weniger wert?", fragt sie. Ins gleiche Horn stößt Anke Jauer von der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. "Die starke körperliche Belastung spielt bei der Entlohnung eines Müllwerkers eine große Rolle. In der Altenpflege aber nicht."
Auf die roten Umzugskartons, die die vergangenen zehn Jahre symbolisieren, blicken die Aktivisten für gleichen Lohn zwar mit gemischten Gefühlen, aber Vieles wurde auf den Weg gebracht. Die Kiste für die Zukunft ist daher grün wie die Hoffnung.

Eine große Veranstaltung stellt die Arbeitsgemeinschaft im Kampf für gleiche Löhne dieses Jahr nicht auf die Beine. Kreisweit werden unterschiedliche Aktionen zum Internationalen Frauentag genutzt, um all diese Dinge anzusprechen. Die Themenfelder sind nämlich oft die gleichen. Kinderbetreuung zum Beispiel, vor allem in Randzeiten vor oder nach der Arbeit sowie bei Frauen, die in Wechselschicht arbeiten. Weil der demographische Wandel nicht wie prognostiziert eingetreten ist, mangelt es an Betreuungsangeboten. Viele Einrichtungen platzen aus allen Nähten, vom Kindergarten bis zum Offenen Ganztag an den Grundschulen.  "Da müssen wir nacharbeiten", lautete eine gemeinsame Forderung.

Männer und Frauen erhalten für gleiche Arbeit nicht denselben Lohn. Laut statistischem Bundesamt liegt die Lücke bei 21 Prozent. Von 365 Tagen sind das 77 Tage - von Neujahr an gezählt also der 18. März. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen umsonst, während Männer seit dem 1. Januar bezahlt werden.

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Ute Heinze

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