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07. November 2019 Zurück

Ausbildung: Mehr Chancen für Jugendliche im Kreis Unna

Die Ausbildungsmarktpartner trafen sich heute in der Humboldt-Realschule in Bönen, um Bilanz zu ziehen: (v.l.n.r.) Berufsberaterin Ulrike Glässner, Lehrer Peter Lange, Dr. Michael Dannebom, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Unna, Volker Stein, Geschäftsstellenleiter der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Schulleiterin Petra Coerdt, Guido Bläsing, stellvertretender Schulleiter, Jutta Reiter, Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg, Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm, Uwe Ringelsiep, Leiter des Jobcenters Kreis Unna, Landrat Michael Makiolla, Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK Dortmund, und Tobias Schmidt, Abteilungsleiter der Handwerkskammer Dortmund. Foto: BA Hamm

Ausbildungsmarktsituation im Kreis Unna

In die Humboldt-Realschule nach Bönen hatte jetzt die Agentur für Arbeit Hamm zur Vorstellung der Ausbildungsmarktbilanz 2018/2019 eingeladen.

Gemeinsam zogen Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm, und Landrat Michael Makiolla gemeinsam mit Tobias Schmidt, Abteilungsleiter der Handwerkskammer Dortmund, Volker Stein, Geschäftsstellenleiter Unna der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK Dortmund, Uwe Ringelsiep, Leiter des Jobcenters des Kreises Unna, Jutta Reiter, Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg und Dr. Michael Dannebom, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna, die Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2018/2019.

Die Statistik

Insgesamt meldeten die Betriebe und Ausbildungsträger im Kreis Unna zwischen Oktober 2018 und September 2019 der Agentur für Arbeit Hamm 2.341 Berufsausbildungsstellen. Das sind 43 Ausbildungsstellen (+1,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

Der Großteil entfiel auf betriebliche Ausbildungsstellen. Mit 2.206 war es ein Plus von 28 (+1,3 Prozent). Dem gegenüber standen 2.862 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, 92 weniger als im Vorjahr (-3,1 Prozent).

Zum Ende des Berichtsjahres am 30. September waren 160 Ausbildungsstellen unbesetzt, 14 weniger als im Vorjahresvergleich. Dagegen waren 92 Jugendliche Ende September noch ohne Ausbildungsplatz und damit 19 weniger als vor einem Jahr (-17,1 Prozent). Für sie wird gerade die jetzt laufende Nachvermittlungsaktion wichtig sein, die gezielt auf noch freie oder wieder frei gewordene Ausbildungsstellen hinweist.

Von den 2862 Bewerbern haben 1374 eine Berufsausbildung begonnen, 254 haben Arbeit aufgenommen, 476 gehen weiter zur Schule, 60 haben ein Studium aufgenommen, zehn ein Praktikum, 56 haben Wehr-, Zivil- oder Freiwilligendienste angetreten und 70 sind in Bildungsmaßnahmen gegangen. Weitere 470 haben keinen Verbleib mitgeteilt, aber auch keine aktive Hilfe bei der Ausbildungssuche mehr nachgefragt.

Theoretisch: 10 Bewerber = 8 Ausbildungsplätze

Im Laufe des Ausbildungsjahres standen im Kreis Unna für jeden Bewerber statistisch 0,82 Stellen zur Verfügung. Dies ist ein deutliches Plus gegenüber 0,78 aus dem letzten und 0,64 aus dem vorletzten Jahr. Im Landesvergleich rangiert die aktuelle Relation im Kreis allerdings weiterhin auf den unteren Plätzen.

Angebot und Nachfrage nähern sich an

Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe im Kreis ist im vergangenen Jahr nicht weiter gesunken. Wie schon im Jahr zuvor, lag der Anteil an ausbildenden Betrieben 2018 bei 24,5 Prozent. Auch die Ausbildungsquote in den Unternehmen, also der Anteil der Teilnehmer in Aus- und Weiterbildung an allen Beschäftigten, konnte auf dem Vorjahresniveau von 5,6 Prozent gehalten werden. Beide Werte liegen deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt (Ausbildungsquote NRW: 5,2 Prozent).

 

Dr. Michael Dannebom: "Noch nicht am Ziel!"

Dr. Michael Dannebom bekräftigt, dass die zuständigen Akteure im Kreis Unna nicht nachlassen dürfen, die Ausbildungsmarktbilanz weiter zu verbessern. „Trotz aller positiven Trends und der Erfolge der Bemühungen von allen Beteiligten sind wir noch keinesfalls am Ziel. Nach wie vor gilt es, Eltern und Schüler davon zu überzeugen, dass die duale Ausbildung eine probate und nachhaltige Alternative zur weiteren Beschulung darstellt.“ Auch solle der angestrebte Berufswunsch vor dem Hintergrund freier Ausbildungsstellen in anderen Berufsfeldern kritisch hinterfragt werden. Schließlich seien die tatsächlichen Tätigkeitsmerkmale eines Ausbildungsberufes häufig nicht so umfassend bekannt, wie es erforderlich wäre. Daher möge die Blickrichtung auf den einzuschlagenden Berufsweg generell breiter ausgerichtet werden, um die Chancen im Ausbildungsmarkt - vielleicht auch mit der vermeintlich zweitbesten Lösung - zu erhöhen.

„Insbesondere für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben Demografie und gestiegenes Engagement der Unternehmen zu einer Verbesserung der eigenen Chancen geführt“, ergänzt Thomas Helm. Es sei im vorigen und insbesondere in diesem Jahr einfacher geworden, Bewerbern eine Ausbildungsstelle anbieten zu können. Dies sei zum einen statistisch begründet, zum anderen qualitativ: „Viele Unternehmen im Kreis haben sich hinterfragt und darauf abgestellt, ihr Angebot an interessierte junge Menschen auszuweiten und besser darzustellen. Das ist positiv bei den Jugendlichen angekommen, was sich an der rückläufigen Zahl nicht besetzter Stellen zeigt.“

Bewerbermarkt

Nicht ignorieren will Thomas Helm die Kehrseite der Entwicklung: „Der Kreis Unna steuert immer mehr auf einen Bewerbermarkt zu. Was für Jugendliche erfreulich ist, birgt für Unternehmen Risiken, denn die Konkurrenz um die besten Köpfe verschärft sich, und die Wahrscheinlichkeit, einen Azubi für die eigene Firma zu finden, sinkt.“ Dennoch steht für den Agenturleiter fest: „Es gibt keine Alternative zum Ausbilden. Und deswegen möchte ich mich bei den Unternehmen im Kreis nicht nur für ihr Engagement bedanken, sondern gleichzeitig dafür werben, in den Bemühungen nicht nachzulassen. Ausbildung ist und bleibt die stärkste Säule der Fachkräftegewinnung.“

Viele Unterstützungsangebote für Jugendliche

Würden während der Ausbildung Schwierigkeiten auftreten, sichert der Agenturleiter die Unterstützung der Arbeitsagentur zu: „Wenn Anlaufschwierigkeiten in der Ausbildung oder Zweifel bestehen, ob ein Bewerber die Berufsschule schafft, können ausbildungsbegleitende Hilfen („abH“) und assistierte Ausbildung gute Rezepte gegen einen Ausbildungsabbruch sein.“

Und wenn es doch nicht klappt und es zum Ausbildungsabbruch kommt? Auch dann gibt es zahlreiche Möglichkeiten, zum Beispiel das Ausbildungsprogramm NRW. Hier gibt es dazu zwei Erfolgsgeschichten und weitere Informationen.

Keine freie Wahl der Lehrstelle

Obwohl sich im Kreis Unna die Zahlen von gemeldeten Bewerbern und Stellen kontinuierlich aufeinander zu bewegen, richtet Thomas Helm einen wichtigen Appell an junge Bewerber: „Es ist nie zu früh, in den Berufswahlprozess einzusteigen. Denn nach wie vor haben Jugendliche in der Regel keine freie Wahl der Lehrstelle. Sie müssen aus dem regionalen Angebot wählen. Umso wichtiger ist es daher, sich umfassend beraten zu lassen. Nur so lernen Jugendliche Nischenberufe kennen, loten Alternativen aus und vermeiden letztlich Enttäuschungen.“ Als zweite wichtige Voraussetzung benennt Thomas Helm die Mobilität: „Wer bereit ist, eine gewisse tägliche Pendelstrecke in Kauf zu nehmen oder gar die Möglichkeit eines Umzugs in Erwägung zieht, verbessert seine Chancen auf den Traumberuf natürlich maßgeblich.“

Abschließend ist Thomas Helm wichtig, das Angehen der Herausforderungen des Ausbildungsmarktes als gemeinsame Aufgabe verstanden zu wissen: „Nur dann, wenn Arbeitsagentur und Jobcenter im Schulterschluss mit Schulen, Kammern, Verbänden und Unternehmen weiter partnerschaftlich an lokalen Handlungsvereinbarungen arbeiten, können wir echte Erfolge bei der Fachkräftesicherung verzeichnen. Für einzelne Akteure allein ist diese wichtige Aufgabe nicht zu stemmen.

 

Den Ausbildungsmarktreport 2018/2019 können Sie HIER sehen.

 

Info: Humboldt-Realschule Bönen

Die Agentur für Arbeit Hamm hatte dafür die Ausbildungsmarktpartner zur Konferenz in die Humboldt-Realschule nach Bönen geladen, um das Engagement der Schule und die gute Zusammenarbeit im Rahmen von Berufsorientierung und Berufswahl herauszustellen. Schulleiterin Petra Coerdt informierte über die Aktivitäten und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Übergang der Schülerinnen und Schüler an der Schwelle zum Berufsleben.

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Elke Böinghoff

Elke Böinghoff

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