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15. November 2019 Zurück

Besser gemeinsam: Die Ausbildung im Verbund

Lindenbrauerei-Chefin Regina Ranft und Hoteldirektor Marc Lobert bieten in ihren Unternehmen bereits seit mehreren Jahren erfolgreich Verbundausbildungen an. Zurzeit befinden sich Taimoor Hussein und Saikou Diallo in der Ausbildung zur Gastronomiefachkraft. Sie sind beide Flüchtlinge mit Asylstatus. Foto: Böinghoff

Es gibt viele Chancen, aber sie müssen genutzt werden

Ausbildung ist die Grundvoraussetzung für die Nachwuchsgewinnung, dabei wird in immer mehr Betrieben - paradoxerweise - nicht mehr ausgebildet. Fehlende Ausbildereignungen, Zeitmangel, aber auch das Problem, nicht alle erforderlichen Ausbildungsinhalte vermitteln zu können, können dafür Gründe sein. „Dabei gibt es die Möglichkeit, die Ausbildung eines Lehrlings auf bis zu drei Betriebe zu verteilen“, macht Viktoria Berntzen von der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet auf die sogenannte „Verbundausbildung“ aufmerksam.

Die Regionalagentur, die im Kreis Unna unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Kreis Unna agiert, setzt Förderprogramme des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen um, entwickelt zusammen mit Trägern neue Projektideen und koordiniert regionale Netzwerke mit arbeitsmarktpolitischem Schwerpunkt. Dazu gehört auch die Verbundausbildung, die neue Lehrstellen schaffen kann, nicht selten die Ausbildungsqualität verbessert und den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs der Betriebe sichert.

Lindenbrauerei und Hotel Katharinenhof gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Besonders prekär ist die Situation im Gastronomiebereich. Ob Koch, Servicekraft oder im Management – Nachwuchs wird hier dringend gesucht. Auch das Ringhotel Katharinenhof und die Lindenbrauerei mit dem Schalander sind von dieser Problematik betroffen. Seit 2008 bildet die Lindenbrauerei daher auch über den eigenen Bedarf unter anderem Gastronomiefachkräfte in Kooperation mit dem Ringhotel Katharinenhof aus. „Wir haben als soziokulturelles Zentrum den Ansatz, so vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wie möglich die Chance zu geben, etwas aus ihrem Leben zu machen“, erklärt dazu Regina Ranft, Geschäftsführerin der Lindenbrauerei.

Die Zusammenarbeit mit dem Ringhotel ist dabei eine ideale Ergänzung. „Wir können hier im Schalander vor allem im Bereich Service, einfache Küche und im Rahmen von eher lockeren Veranstaltungen unseren Lehrlingen etwas beibringen, festliche Bankette und gehobene Küche sind dagegen nicht so unsere Sache“, schmunzelt Regina Ranft. Die sind aber Sache im Vier-Sterne-Hotel Katharinenhof – eine ideale Ergänzung also.

Auch Hoteldirektor Marc Lobert weiß die Vorteile der Verbundausbildung sehr zu schätzen: „Wir haben in der Vergangenheit mit verschiedenen Institutionen Partnerschaften im Bereich der Nachwuchsförderung gebildet und überwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht. Der ein oder andere, der über so eine Verbundausbildung zu uns gekommen ist, ist noch heute in Küche, Service oder Rezeption ein Teil unseres Teams.“

Dabei sieht er die Unternehmen in Sachen Ausbildung in der Pflicht: „Ich denke, dass wir den jungen Menschen gegenüber eine Verpflichtung haben. Wir können nicht alle immer nur klagen, dass immer weniger junge Menschen den Weg in die Dienstleistungsberufe oder in das Handwerk finden und dann nicht alle Ressourcen nutzen.“

Flüchtlinge mit Asylstatus

Zurzeit absolvieren Saikou Diallo und Taimoor Hussein ihre Verbundausbildung zur Gastronomiefachkraft mit Schwerpunkt Küche in der Lindenbrauerei. Das Besondere: Die beiden jungen Männer sind Flüchtlinge mit Asylstatus. Saikou stammt aus Guinea und hat für seine Flucht vor Armut und Vertreibung auf dem Mittelmeer sein Leben riskiert. „Saikou musste auf der Flucht zusehen, wie seine Freunde ertrinken, er spricht nicht darüber und man merkt ihm an, wie schwer er an diesen Erinnerungen trägt“, berichtet Regina Ranft.

Was Saikou aber mit nach Deutschland gebracht hat, ist der unbedingte Wille, zu lernen und zu arbeiten. „Saikou kam mit der Werkstatt Unna zu unserer syrischen Woche und half in der Küche mit. Da hat er wohl seine Berufung gefunden“, freut sich Regina Ranft. „Die Arbeit hier hat mir so gut gefallen, dass mir die Werkstatt geraten hat, Frau Ranft nach einer Ausbildung zu fragen“, erinnert sich Saikou Diallo.

Nach einem Einstiegsqualifizierungsjahr für Geflüchtete absolviert der junge Guineer gemeinsam mit seinem pakistanischen Kollegen Taimoor jetzt bereits sein zweites Ausbildungsjahr und pendelt dabei im Rahmen seiner Verbundausbildung zwischen Lindenbrauerei und Hotel Katharinenhof. Davon abgesehen läuft die Ausbildung wie jede andere Ausbildung auch ab. Zur praktischen Ausbildung im Betrieb kommt die schulische Ausbildung an der Berufsschule dazu, es wird auch die allgemein übliche Ausbildungsvergütung gezahlt. Das Arbeitsministerium NRW unterstützt Unternehmen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds bei der Ausbildung im Verbundmodell. In kleinen und mittleren Unternehmen, die ohne den Ausbildungsverbund nicht ausbilden dürften, wird die Ausbildungsvergütung mit einmalig bis zu 4.500 Euro pro Ausbildungsplatz gefördert.

„Was ich hier lerne, möchte ich auch in Deutschland anwenden können. Vielleicht habe ich ja später einmal hier mein eigenes Hotel oder Restaurant“, hat Saikou Diallo schon sehr konkrete Vorstellungen für sein weiteres Leben. Und die Verbundausbildung gibt ihm das nötige Rüstzeug dafür.

Ungeklärter Status schreckt Arbeitgeber ab - viel ungenutztes Potential

Wenn da nicht der ungeklärte Status als Asylbewerber wäre. „Das ist wirklich ein großes Problem, auch für andere Unternehmen, die vielleicht gerne einen Flüchtling ausbilden würden. Aber erst in die Ausbildung investieren und dann wird der junge Mensch doch wieder ausgewiesen? Ich kann verstehen, wenn andere davor zurückschrecken“, kritisiert Regina Ranft das momentane System, dass die Geflüchteten Jahre, oft sogar Jahrzehnte im Ungewissen lässt.



Info und Kontakt

Info und Kontakt für Unternehmen zum Thema Verbundausbildung:
Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet
Viktoria Berntzen
v.berntzenwfg-kreis-unnade
Tel. 02303/27 1890
https://www.mags.nrw/verbundausbildung

 

eb

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