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28. Mai 2019 Zurück

Dem Ausbildungsmarkt Schwung geben

Stark im Team für mehr Ausbildung im Kreis Unna: (v. li.) Viktoria Berntzen für die Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet, Hanna Stoewe und Andrea Kossack für die Werkstatt im Kreis Unna, Azubi Marcel Nieckandt mit Conrad und Anja Krause von Haustechnik Krause.

Das Ausbildungsprogramm NRW vermittelt Jugendliche in eine passgenaue Lehrstelle – zwei Beispiele

„Marcel ist ein echter Traum-Azubi“, findet Anja Krause nur lobende Worte für den neuen Auszubildenden und auch Marcel Nieckandt findet seine Ausbildung im Familienunternehmen der Krauses „einfach nur toll“. Seit Oktober letzten Jahres erlernt der 18-Jährige bei Haustechnik Krause in Unna das Handwerk des Anlagenmechanikers – Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Alles gut, alles schön? Nicht ganz, denn Marcels Weg hin zur Ausbildung war etwas holprig.

So ging es auch Nina Meißner. Und auch ihr Ausbilder findet nur lobende Worte. Beide fanden ihre Ausbildungsplätze erst durch das durch die RAG-Stiftung geförderte Ausbildungsprogramm NRW, das Unternehmen unter anderem relativ unbürokratisch einen monatlichen Zuschuss von 400 Euro gewährt, wenn sie „Jugendlichen mit eingeschränkten Ausbildungsmarktperspektiven“ – so heißt es in der Infobroschüre des Programms – einen Ausbildungsplatz bieten.

„Oft sind es nur Kleinigkeiten, warum ein Jugendlicher zunächst keinen Ausbildungsplatz findet“, weiß Andrea Kossack, die das Programm für den Bildungsträger Werkstatt im Kreis Unna GmbH betreut, unterstützt von Viktoria Berntzen von der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet unter dem Dach der Wirtschaftsförderung für den Kreis Unna.

Oft nur kleine Hindernisse

Marcel Nieckandt, engagiert, Fachoberschulreife mit Qualifikation, hatte sich schon früh für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Nach zwei Praktika wusste er auch, dass die Arbeit in einer Werkstatt ihm nicht so liegt. „Ich muss unterwegs sein und mit Menschen zu tun haben“, beschreibt er seinen Traumjob. So richtig konkret waren seine Vorstellungen nicht, „und vielleicht hat er gerade deshalb zunächst keinen Ausbildungsplatz gefunden“, vermutet Hanna Stoewe, Abteilungsleiterin der Werkstatt im Kreis Unna.

Nina Meißner schloss die Schule mit der Fachoberschulreife mit Qualifikation ab und begann dann, sich auf das Fachabitur vorzubereiten. Trotz guter Noten wechselte sie in eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Jedoch passten sie und der Ausbildungsbetrieb nicht richtig zusammen, die 19-Jährige brach die Ausbildung ab. Dennoch blieb sie weiter aktiv, in enger Betreuung durch die Agentur für Arbeit startete sie kurz darauf eine Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, kurz EQJ, bei der Gemeindeverwaltung Bönen, eine Art betriebliches Langzeitpraktikum. „Aber ich wollte ja auf jeden Fall eine Ausbildung“, erzählt Nina Meißner und nimmt daher im vergangenen Herbst den Vorschlag der Agentur für Arbeit an, sie in das Ausbildungsprogramm NRW aufzunehmen.

Früher Kontakt zur Agentur für Arbeit

Auch Marcel hat früh Kontakt zur Agentur für Arbeit, die ihn, als sich abzeichnet, dass er nicht unmittelbar einen Ausbildungsplatz findet, wiederum in das Ausbildungsprogramm NRW vermittelt. „Für den Kreis Unna übernehmen wir von der „Werkstatt“ dann die weitere Arbeit“, erläutert Hanna Stoewe. „Dafür schauen wir uns erst einmal die Jugendlichen ganz genau an, wo liegen ihre Stärken, was wollen sie aus ihrem Leben machen. Dann suchen wir einen passenden Ausbildungsbetrieb und bringen die beiden zusammen.“

Volltreffer

Dieses „Matching“ liefert hier zwei Volltreffer: „Marcel hat sich von Anfang an super gemacht, kam mit seinen Kollegen gut klar und hat großes Interesse an der Arbeit gezeigt“, erinnert sich Conrad Krause. Und so stand dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages nichts im Wege. Seit Oktober letzten Jahres fährt Marcel Nieckandt zuverlässig jeden Morgen mit dem Bus von Bergkamen nach Unna, um hier seine Ausbildung in Betrieb und Berufsschule zu absolvieren.

Nina Meißner schreibt auf Vorschlag der Werkstatt eine Bewerbung für eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei Müller & Stock, Dirk Maday lädt die junge Bönenerin zum Gespräch ein und am 1. Januar konnte sie hier ihre Ausbildung beginnen. „Die fehlenden vier Monate in der Berufsschule habe ich bereits nachgeholt, sodass ich jetzt sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsschule im normalen Rhythmus bin“, berichtet Nina Meißner. „Mit den guten Noten und ihrer schnellen Auffassungsgabe hatte sie überhaupt keine Probleme, Versäumtes nachzuholen“, ist Dirk Maday sichtlich zufrieden mit seiner Auszubildenden.

Zusätzlicher Ausbildungsplatz

Für beide Unternehmen eine „win-win-Situation“. Denn neben einem engagierten Auszubildenden gibt es zwei Jahre lang einen monatlichen Zuschuss von 400 Euro. Finanziert wird dies durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW und die RAG-Stiftung, bezuschusst durch ESF-Fördergelder. Voraussetzung: Der Ausbildungsplatz muss zusätzlich zu den sonst im Betrieb bereits vorhandenen Ausbildungsplätzen angeboten werden.

Mindestens monatlich sucht das Team von der Werkstatt das Gespräch mit dem Betrieb und dem Auszubildenden, „so können wir schnell reagieren, wenn es zu Problemen kommt“, erklärt Hanna Stoewe, „auch das gibt dem Betrieb eine zusätzliche Sicherheit.“ Denn die Experten kennen sich aus in der Vielfalt der Unterstützungsmöglichkeiten für Auszubildende, von ausbildungsbegleitenden Hilfen bis hin zu finanzieller Unterstützung, wenn zum Beispiel ein Führerschein notwendig wird. So können Probleme im Betrieb gar nicht entstehen und die Jugendlichen werden in der Ausbildung gehalten.

Das Ausbildungsprogramm NRW im Kreis Unna
Das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales legte das Programm 2018 erstmals auf, daraufhin bewarben sich mehrere Bildungsträger für den Kreis Unna, das Programm umsetzen zu dürfen. Die Regionalagentur Westfäli-sches Ruhrgebiet begleitete das Programm bereits in dieser Phase, nach der Entscheidung des MAGS für die Werkstatt im Kreis Unna organisierte man gemeinsam den weiteren Ablauf. Jetzt, im laufenden Programm und zur Vorbereitung des kommenden Ausbildungsjahres, finden weiterhin unter der Leitung der Regionalagentur Austauschtreffen aller Beteiligten wie Kammern, Agentur für Arbeit, Jobcenter und Werkstatt statt. „Das hält die Wege kurz und wir können auch mal schnell und unbürokratisch Probleme lösen“, erläutert Viktoria Berntzen. Außerdem vermittelt die Regionalagentur Betriebe in das Programm und sorgt für die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.

In 2018 hat die Werkstatt im Rahmen des Ausbildungsprogramms 20 Jugendliche in Ausbildung vermittelt. „Unser Vorteil von der Werkstatt Kreis Unna ist, dass wir uns nicht nur die Jugendlichen genau anschauen, sondern auch die Betriebe gut kennen und so passgenau vermitteln können“, erklärt Andrea Kossack. 2019 können im Kreis Unna 36 geförderte Ausbildungsstellen im Rahmen des Programms besetzt werden.

Ziel des Programms ist es, für mehr Ausgeglichenheit auf dem Ausbildungsmarkt zu sorgen, denn die regionalen Unterschiede sind groß in NRW. Gibt es hier Betriebe, die händeringend Auszubildende suchen, so gibt es dort Jugendliche, die dringend einen Ausbildungsplatz benötigen. Im Bereich des Arbeitsagenturbezirks Hamm, zu dem auch der Kreis Unna gehört, suchen zum Beispiel nach wie vor fast 2.000 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, gleichzeitig sind knapp 1.500 Ausbildungsstellen nicht besetzt. Da sind Programme wie das Ausbildungsprogramm NRW ein probates Mittel, Jugendliche in Arbeit zu vermitteln. Denn: „Eine abgeschlossene Ausbildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und der erste Schritt in eine erfolgreiche berufliche und private Zukunft“, sagt Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW.

Infos unter www.mags.nrw.ausbildungsprogramm-nrw
oder
direkt bei der Werkstatt im Kreis Unna, Hanna Stoewe, Tel. 02303/2805-126, per Mail an h.stoewewerkstatt-im-kreis-unnade oder
Nadia Dierkes, Tel. 02303/9599040 oder Handy 0176/12805019, per Mail an n.dierkeswerkstatt-im-kreis-unnade


Eckpunkte Ausbildungsprogramm NRW:
Ausbildungsverträge: Betriebe schließen reguläre Ausbildungsverträge mit den Jugendlichen ab.
Ausbildungsvergütung: Das Land fördert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds die Betriebe. Die RAG-Stiftung stellt den Ausbildungsträgern im Ruhrgebiet die Mittel zur Vergütung der Ausbildungsplätze zur Verfügung - jeweils 400 Euro pro Monat. Den Zuschuss zur Ausbildungsvergütung bekommt der Ausbildungsbetrieb über die Werkstatt im Kreis Unna weitergeleitet.
Voraussetzung: Die Ausbildungsplätze müssen zusätzlich sein.
Teilnehmergewinnung: Arbeitsagenturen und Jobcenter schlagen Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz vor. Die Besetzung erfolgt im Zusammenwirken mit Bildungsträger und Ausbildungsbetrieb.
Ausbildungsberufe: Im Regionalen Ausbildungskonsens wurde eine „Positivliste“ zu Ausbildungsberufen verabschiedet, die gute Übernahmechancen besitzen und eine realisierbare Nachfrage bei den Jugendlichen erwarten lassen. Grundsätzlich sind aber alle Ausbildungsberufe nach BBiG/HWO förderfähig (2 - 3,5-jährig).

Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW

 

-Elke Böinghoff-

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