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08. November 2019 Zurück

IHK-Wirtschaftsgespräch in Fröndenberg

Beim IHK-Wirtschaftsgespräch in Fröndenberg (v.l.): Patrick Voss, Frank Röhr, Joachim Hüttenbrauck, Stefan Schreiber, Friedrich-Wilhelm Rebbe, Michael Adel und Dirk Vohwinkel. Foto: IHK/Schütze

Spannende Entwicklungen in der Ruhrstadt - Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage im Kreis Unna

Mehr als 50 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund zum diesjährigen Wirtschaftsgespräch gekommen. Joachim Hüttenbrauck, Mitglied der IHK-Vollversammlung und Geschäftsführer der Helmut Hüttenbrauck GmbH & Co. Profil-Walz- und Presswerk Fröndenberg, begrüßte die Teilnehmer und ging in seinen einleitenden Worten auf den Ausbildungsmarkt ein.

Der Ausbildungsmarkt in Fröndenberg

Zum Ende September zeigte sich dieser in der IHK-Region mit insgesamt 4.845 neuen Verträgen fast auf Vorjahresniveau. In Fröndenberg selbst wurden bislang nur 30 neue Verträge erfasst, was einem Minus von 15 Verträgen (33 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreswert entspricht. „Diese Zahl mag zunächst erschrecken. In der Vergangenheit war es aber immer so, dass die Zahl der Verträge in Fröndenberg zwischen 30 und 40 lag. Insofern war 2018 eher ein außergewöhnlich gutes Jahr“, machte Hüttenbrauck deutlich. Er dankte den Ausbildungsbetrieben für ihr gleichbleibend großes Engagement, denn viele angebotene Plätze konnten lediglich mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden.

Neues aus der Ruhrstadt

Im Folgenden erläuterte Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe die aktuellen Entwicklungen in der Ruhrstadt. Dabei sprach er unter anderem über die Neugestaltung des Marktplatzes, die ab April 2020 in Angriff genommen werden soll, und die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027. Mit Blick auf dieses Großereignis im Ruhrgebiet will Fröndenberg sein Image als Touristenmagnet weiter aufpolieren. Rebbe sprach zudem über die Zertifizierung als „europäische Klimaschutzkommune“, den Umbau der städtischen Gesamtschule und die Anstrengungen beim Breitbandausbau. Die Stadtverwaltung setzt künftig auf stark auf das Thema E-Government und möchte den Bürgerinnen und Bürger ihre Dienstleistungen zukünftig digital anbieten.

In seinem Vortrag widmete sich IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber zunächst der gesamtwirtschaftlichen Lage. Mitte Oktober hatten die IHKs aus dem Ruhrgebiet den aktuellen Ruhrlagebericht vorgelegt. Zwar folge nach einem langen Hochsommer jetzt der konjunkturelle Herbst, von einer Schlecht-Wetter-Front am Konjunkturhimmel könne aber für den westfälischen Teil des Ruhrgebiets keine Rede sein. Das ist das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage bei 139 Unternehmen mit mehr als 23.000 Beschäftigten aus den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna.

Die Geschäftslage wird von den meisten Unternehmen ausgesprochen positiv bewertet, gegenüber dem Jahresbeginn hat sich die Stimmung allerdings eingetrübt. Waren es damals noch 97 Prozent der befragten Unternehmen, die ihre geschäftliche Lage mit der Note gut oder befriedigend bewerteten, so ist der Anteil auf knapp 94 Prozent leicht zurückgegangen. Gegenüber der vergangenen Umfrage haben die Unternehmen ihre Exporterwartungen am deutlichsten nach unten korrigiert. Nur noch 8,4 Prozent der befragten Unternehmen erwarten höhere Exporte. Anfang des Jahres waren es noch 24 Prozent.

Gleisausbau

Im Anschluss widmete sich Schreiber dem erforderlichen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lünen und Münster und bezeichnete das 27 Kilometer lange Teilstück als die am stärksten vernachlässigte Metropolenverbindung in Deutschland. „Aus unserer Sicht muss mit Weitblick geplant werden. Notwendig ist neben den Reparaturen der bestehenden Mängel auch ein zweites Gleis auf der gesamten Strecke, ausgebaut für durchgängig 230 km/h“, betonte Schreiber. Zudem sei eine Brücke im östlichen Bereich des Dortmunder Hauptbahnhofs erforderlich, um dort die intensiven Ost-West-Verkehre von denen nach Münster abzugrenzen.

Kein Regionalplan

Schreiber skizzierte auch die Ergebnisse der „Kohlekommission“: Mit der Schließung von vier Steinkohlekraftwerken im Kreis Unna könnten mittelfristig bis zu 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Vor diesem Hintergrund betonte er die Notwendigkeit, dass die vom Bund zugesagten finanziellen Hilfen nicht nur den rheinischen Braunkohlerevieren zukommen. „Auch im Kreis Unna brauchen wir Geld, um diesen Strukturwandel abzufedern.“ Zugleich müsse bei den Planungen für die Nachnutzung der riesigen Areale das große Potenzial als Industrie- und Gewerbeflächen beachtet werden. „Unsere Wirtschaft braucht Flächen, um wachsen zu können“, so Schreiber, der die Verzögerungen beim Regionalplan kritisierte. Der Regionalverband Ruhr wird den für die zukünftige Flächenzuordnung im Ruhrgebiet so wichtigen Regionalplan nicht 2020 verabschieden. „Unsere Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit für ihre Investitionsabsichten. Diese Zeitverzögerung hemmt die wirtschaftliche Entwicklung in unserer IHK-Region und im gesamten Ruhrgebiet.“

Entwicklung des Einzelhandels

Einen intensiven Blick auf die Entwicklung des Einzelhandels warf danach IHK-Handelsreferent Patrick Voss. Die Digitalisierung stellt gegenwärtig sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung für den Einzelhandel dar. Im Gesamtbild zeigt sich, dass die online- und offline-Vertriebskanäle immer mehr verschmelzen. „Der Kunde von heute erwartet erstklassigen Service und ein individuelles Einkaufserlebnis – stationär wie online“, erläuterte Voss. Die Stadt Fröndenberg ist vorrangig auf die Grundversorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrungs- und Genussmitteln und Drogeriewaren ausgerichtet. „Um den Einzelhandelsstandort Fröndenberg attraktiv zu halten und weiter zu beleben, müssen alle Akteure, also die örtliche Kaufmannschaft, Gastronomen und Dienstleister, aber auch Stadt und Stadtmarketing eng zusammenarbeiten“, so Voss weiter. Funktioniert das, dann kann für Kunden und Besucher ein Grundzentrum mit Erlebnisfaktor und Verweilqualität erhalten und weiterentwickelt werden.

Neue Stiftung „Gutes tun“

Frank Röhr, Vorstand der Sparkasse Unna-Kamen, stellte die neue Stiftung „Gutes tun“ für Kamen, Holzwickede und Fröndenberg vor. Angesprochen werden damit Bürgerinnen und Bürger, die Geld für einen guten Zweck in ihrer Heimatgemeinde stiften oder spenden wollen. Privatpersonen können ab einer Summe von 250 Euro, Unternehmen ab 1.000 Euro Stifter werden. Gefördert werden können beispielsweise Wissenschaft, Kultur, Sport, Tierschutz, Soziales oder sportliche Aktivitäten. Das Dach der Stiftung besteht aus Vorstand und dem kontrollierenden Kuratorium, unterstützt vom regionalen Beirat Fröndenberg, der beratende Funktion hat.

Zum Ende des Wirtschaftsgesprächs wurde es noch einmal feierlich: Bürgermeister Friedhelm Rebbe, der im nächsten Jahr bei den Kommunalwahlen nicht mehr kandidiert, bekam als Dank und Anerkennung für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit von IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Geschäftsführer Michael Adel ein Abschiedsgeschenk überreicht. Auch für Michael Adel war es vorläufig das letzte Wirtschaftsgespräch in Fröndenberg. Sein Nachfolger als Regionalbetreuer wird Dirk Vohwinkel, Leiter der IHK-Ausbildungsberatung.

Ansprechpartner/in

Elke Böinghoff

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