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31. Oktober 2019 Zurück

Kein stilles Örtchen und Angst vor Schlitzern

Brachten Licht ins Dunkel: Wirtschaftsförderin Sabine Radig (r.) und das Umfrage-Team. Foto: Arens

WFG befragt LKW-Fahrer im Gewerbegebiet Unna-Nord

Das Ergebnis unserer Umfrage unter den im Gewerbegebiet Unna-Nord parkenden LKW-Fahrern zeichnet ein düsteres Bild des modernen Truckerlebens – meilenweit entfernt von jeglicher Fernfahrerromantik. Und sie zeigt: Die LKW-Fahrer haben ihre Ziele zum größten Teil bei Firmen im dortigen Gewerbegebiet. Dieses Ergebnis schafft die Grundlage, um mit den ansässigen Firmen über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren, den LKW-Fahrern das Leben ein bisschen leichter zu machen und die Belastungen für Anwohner und Natur zu minimieren.

Ob dieses Ergebnis auch für die LKW-Fahrer in den Bönener Gewerbegebieten wie dem INLOGPARC und Am Mersch zutrifft, soll eine weitere Umfrage durch die WFG zeigen.

Seit Monaten monieren besonders die Kamener Naturfreunde die Zustände im Naturschutzgebiet Pröbstingholz, das direkt an das Gewerbegebiet angrenzt. Als „stilles Örtchen“ missbraucht leiden Natur und erholungssuchende Spaziergänger. Den LKW-Fahrern ist kein Vorwurf zu machen, sie haben kaum eine andere Chance, ihre Notdurft zu verrichten, als in der freien Natur.

Umfrage soll Diskussionsgrundlage werden

Bisher hat aber so manche Firma abgewunken, wenn sie mit dieser Problematik konfrontiert wurde. Die LKW-Fahrer hätten andere Ziele und würden von der Autobahn aus hier nur einen Rastplatz suchen, sind oft gehörte Argumente. Von dieser Annahme ausgehend ist natürlich keine einheitliche Linie der ansässigen Unternehmen möglich, eine anvisierte Zusammenarbeit zum Scheitern verurteilt. „Also haben wir beschlossen, im Rahmen einer Umfrage eine vernünftige Diskussionsgrundlage zu schaffen“, erläutert WFG-Prokuristin Karin Rose.

In zwei Befragungsrunden, eine in der Woche in den Abendstunden und eine am Wochenende, hat die WFG jetzt das Gespräch mit den im Gewerbegebiet parkenden LKW-Fahrern gesucht. Unterstützt wurde sie dabei durch vier Dolmetscher aus dem Sprachmittlerpool des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Unna und zwei Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Unna. „So konnten wir mit den meisten LKW-Fahrern in ihrer Muttersprache reden und hatten gleich einen ganz anderen Zugang zu ihnen“, erklärt WFG-Wirtschaftsförderin Sabine Radig.

Umfrage in Muttersprache

Mit polnisch, russisch und weißrussisch, bulgarisch, rumänisch und türkisch konnten die LKW-Fahrer angesprochen werden, „nur bei einem ungarischen Fahrer hatten wir Pech, da dieser auch weder englisch noch deutsch sprach“, schmunzelt Sabine Radig. Auch die Naturfreunde Kamen unterstützten die Umfrage mit eigenen Recherchen. Insgesamt wurden 21 LKW-Fahrer befragt, acht an einem Sonntag und 13 an einem Abend unter der Woche. Nur vier Fahrer wollten oder konnten keine Auskunft geben, weitere vier Fahrer hielten sich nicht in ihren Fahrzeugen auf.

Fast alle – über 85 Prozent - der befragten LKW-Fahrer hatten einen direkten Bezug zu Unternehmen im Gewerbegebiet Unna-Nord. Die Verweildauer der LKW-Fahrer im Industriegebiet lag zu über 90 Prozent unter 24 Stunden.

Wochenende andere Situation als in der Woche

Am Wochenende stammten die meisten der befragten Fahrer aus Weißrussland, Russland und Polen. Sie fuhren zumeist für Speditionen aus Litauen. Zu dieser Zeit haben die meisten Betriebe im Gewerbegebiet ihre Tore geschlossen, nur ein Unternehmen fertigt auch am Wochenende ab und bietet dann auch Zugang zu Toiletten, ein weiteres Unternehmen hat für die LKW-Fahrer zumindest eine mobile Dixie-Toilette aufgestellt. „Die soll aber häufig stark verschmutzt sein, sodass die LKW-Fahrer sie verständlicherweise nicht nutzen möchten“, berichtet Karin Rose.

Unter der Woche zeigt sich ein etwas anderes Bild: Überwiegend stammten die befragten Fahrer dann aus Deutschland, gefolgt von denen aus Polen und aus Weißrussland und Russland. Doch wie am Wochenende schließen die meisten Unternehmen abends ihre Tore, nur ein Unternehmen fertigt durchgängig ab, ein anderes bietet den Fahrern Zugang zu einer Tankstelle und damit auch zu sanitären Anlagen.

LKW-Fahrer sorgen sich um Sicherheit

Im Rahmen der Umfrage wurden die LKW-Fahrer auch bezüglich ihrer Wünsche für die Zukunft gefragt: Hier nannten die LKW-Fahrer einen festen und gesicherten Parkplatz mit sauberen Toilettenanlagen und einer Waschgelegenheit als größten Wunsch. Stromanschlüsse oder Internetzugänge sind für die Fahrer eher von untergeordneter Bedeutung. Allerdings hat die Sicherheit eine sehr hohe Priorität. „Viele haben Angst vor den sogenannten LKW-Schlitzerbanden, die auf Rastplätzen in der Nacht die Planen aufschlitzen und die Fracht stehlen“, erklärt dazu Sabine Radig.

Mit den Ergebnissen der Umfrage wird die Wirtschaftsförderungsgesellschaft nun an die betreffenden Unternehmen und die beteiligten Kommunen und Ämter herantreten, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Der Zeitpunkt dafür hängt von der Kooperationsbereitschaft aller Beteiligter ab.

In wie weit diese Ergebnisse auch auf die Gewerbegebiete in Bönen übertragbar sind, soll eine Umfrage nach dem selben Muster im INLOGPARC und im Gewerbegebiet Am Mersch zeigen. „Wir haben mit der Gemeinde Bönen vereinbart, diese Umfrage auch hier durchzuführen“, so Karin Rose.

 

 

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