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03. Dezember 2019 Zurück

WFG-Beratung führte zum eigenen Digitalassistenten

Bozena Jentszcok präsentierte nur kurz nach Unternehmensgründung im vergangenen Jahr ihre Mode auf der Berlin Fashion Week. Foto: Jentszcok

Andreas Tracz, Vize-Präsident der IHK zu Dortmund und Anica Althoff (2. V. l.), Innovationsberaterin der WFG Kreis Unna, konnten gemeinsam Bozena Jentszcok (2. v. r.) Fördermittel für eine Digitalisierungsassistentin vermit-teln. Seit 1. November gehört Cassandra Andruszko (r.) zum Team bei 36°. Foto: Böinghoff

Cassandra Andruszko kann sich voll und ganz mit der Mode von 36 Grad identifizieren. Foto: 36 Grad

Die überarbeitete Website zeigt jetzt in professionellen Fotos die Leinenmode aus dem Kreis Unna. Foto: 36 Grad

Wir leben in einer immer digitaler werdenden Welt: Auch unsere Kleidung wird online gekauft, im Internet informieren wir uns über die neuesten Trends, gehen auf Schnäppchenjagd und lassen uns inspirieren. Ohne Homepage, Facebookseite und Instagram-Account kann heute kein Modeunternehmen mehr überleben. Doch was, wenn man als Gründer so sehr damit beschäftigt ist, seine Mode zu entwerfen und zu produzieren, dass einfach keine Zeit bleibt, um auch noch das digitale Geschäft aufzubauen? Im folgenden Fall zeigt sich, wie gut hier ein Beratungsgespräch bei der WFG helfen kann.

Bozena Jentszcok startete im Sommer letzten Jahres mit ihrem eigenen Mode-Label „36°“. „Ich selber habe eine empfindliche Haut und reagiere schnell allergisch auf behandelte Stoffe“, erzählt die Designerin. Das Problem: Heute gibt es eigentlich keine Stoffe mehr, die nicht in irgendeiner Form mit Chemikalien behandelt werden. Ihr Wunsch: zeitgemäße aber gleichermaßen zeitlose Kleidung aus reinem Leinen, hergestellt aus zu 100 Prozent ökologisch angebautem Flachs, ganz ohne Chemie.

Doch die aktuelle Leinen-Mode gefiel ihr nicht, „die Schnitte sind bei Leinen oft sackartig und die Stoffe trotz aller Zertifizierungen mit Pestiziden und Bioziden behandelt“, hat Bozena Jentszcok recherchiert. Also griff die gelernte Kauffrau selber zu Stift und Papier und begann ihre eigene Mode unter dem Label 36° zu entwerfen. Außerdem machte sie sich auf die schwierige Suche nach passenden Flachs-Bauern und Leinen-Schneidern. Schließlich wurde sie in Polen fündig. Nach Bozena Jentszcoks Vorgaben entstand 2018 die erste Kollektion mit schmalen Schnitten und über Altersgrenzen hinweg tragbar.

Erstmal auf die Berlin Fashion Week

„Mir war wohl bewusst, dass ohne Website nichts gehen würde und im Frühjahr 2018 ging ich dann mit meiner Seite online“, erinnert sie sich an damals. Ein durchschlagender Erfolg, denn aufgrund des Starts ihrer Seite ‚36-grad.com‘ wurden die Macher der Berlin Fashion Week auf die Designerin aufmerksam und luden sie prompt ein. „Das war wirklich der Wahnsinn, gerade die erste Kollektion gemacht und schon auf der richtig großen Bühne“, wundert sich Bozena Jentszcok auch heute noch über diesen Glücksfall.

Doch nach dem erfolgreichen Auftritt in Berlin, der ihrer Marke viel Aufmerksamkeit bescherte, kehrte schnell der graue Alltag wieder ein. Mund-zu-Mund-Propaganda brachte weitere Kunden und Bozena Jentszcok hatte alle Hände voll zu tun, die neue Kollektion vorzubereiten, stationäre Verkaufsstellen zu finden, mit den Bauern und Handwerkern in Polen Kontakt zu halten und ihr kleines Unternehmen mit ihrem Privatleben in Einklang zu bringen.

Die Pflege der Homepage ging dabei unter. Dabei weiß sie: „Gerade ein Online-Shop ist unglaublich wichtig.“ Doch als digitaler Laie eine professionelle moderne Homepage mitsamt funktionstüchtigem Shop zu erstellen, ist mehr als aufwändig, und das Geld für einen fachmännischen Aufbau, der von den Kosten schnell in den fünfstelligen Bereich gehen kann, fehlte.

Beratung durch IHK zu Dortmund und WFG

Ein eher zufälliges Gespräch über diese Problematik mit Andreas Tracz, Geschäftsführer der K&K Networks GmbH und Vizepräsident und Vollversammlungsmitglied der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, durchschlug den Knoten: „Mir gefiel Frau Jentszcoks Geschäftsidee ausgenommen gut, sie ist innovativ, nachhaltig und entspricht genau dem Zeitgeist“, findet Tracz und empfahl ihr daher ein Gespräch mit den zuständigen Beratern der IHK zu Dortmund und einen Innovations-Workshop durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Unna (WFG). „Die Förderlandschaft ist so dezentral organisiert, dass man sich als Laie kaum einen Überblick verschaffen kann. Es gibt Fördergelder vom Land, vom Bund, von der EU. Da ist eine Beratung wie die durch die Kooperationspartner IHK zu Dortmund und der WFG quasi Gold wert, da durch die Beratungen eine passgenaue Förderung gefunden werden kann“, so Tracz.

Der/die Digitalisierungsassistent*in

„Zunächst einmal haben wir gemeinsam das Geschäftsmodell von 36° analysiert und haben schließlich als Schwachstelle das Marketing identifiziert“, so Anica Althoff, Innovationsberaterin der WFG Kreis Unna. Und Anica Althoff hatte gleich das passende Förderprogramm zur Hand: „NRW unterstützt im Rahmen des Programms „Mittelstand.innovativ!” kleine und mittlere Unternehmen mit der Finanzierung eines Digitalisierungsassistenten für zwei Jahre mit jeweils 22.500 Euro. Gefördert wird dabei die Beschäftigung von Universitäts- und Fachhochschulabsolventen zum Beispiel aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften“, erläutert Anica Althoff.

Mit zum Beratungsgespräch hatte Bozena ihre Bekannte Cassandra Andruszko gebracht, „wir kennen uns bereits seit der Berlin Fashion Week, als Mode-Bloggerin habe ich 36° wegen des einzigartigen Konzepts von Anfang an begleitet“, berichtet Cassandra Andruszko, die aus Rheda-Wiedenbrück kommt. Die Bloggerin gerade eben ihr Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Marketing beendet, „und so saß die für dieses Unternehmen perfekte Digitalisierungsassistentin zufällig direkt mit im Gespräch“, schmunzelt Anica Althoff.

Zügige Bewilligung

Zügig konnte so die Förderung beantragt werden, die dann auch zügig bewilligt wurde. Seit 1. November kümmert sich Cassandra Andruszko um das Marketing bei 36°. „Wir haben inzwischen die Website neu aufgestellt, jetzt arbeite ich am Konzept für den Social Media-Auftritt und bereite den Launch der neuen Kollektion vor“, berichtet sie.

Nachdem Bozena Jentszcok unter der Last, alles allein „wuppen“ zu müssen, durchaus gelitten hatte, schaut sie nun optimistisch in die Zukunft: „Ich kann mich endlich wieder mehr auf die Mode konzentrieren. Im kommenden Jahr sind wir auf den Fashion Weeks in Paris und Berlin dabei und mit Cassandras Hilfe werden wir dort vor allem die ‚Influencer‘ ansprechen und so mehr mediale Reichweite erreichen können. Ohne meine Digitalisierungsassistentin würde ich das sicher nicht schaffen!


Zur Info:

Seit dem 1. Oktober werden keine Anträge mehr im Programm Mittelstand.innovativ! entgegengenommen. Im kommenden Jahr soll die Förderung in Zusammenhang mit der Neuausrichtung des Digitalisierungsgutscheins aber wieder aufgenommen werden.
https://www.ptj.de/innovationsassistent


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