Dachdeckerhandwerk zum Anfassen: Schülerinnen und Schüler bauen mobilen Dachstuhl
– 17.07.2026
Wie entsteht eigentlich ein Dach – und welche Rolle spielen dabei Klimaschutz und Photovoltaik? Antworten auf diese Fragen fanden jetzt sechs Schülerinnen und Schüler der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule Selm nicht im Klassenzimmer, sondern beim gemeinsamen Bauen eines mobilen Dachstuhls. Unter Anleitung von Dachdeckermeister Jörg Zurhove, Inhaber der Zurhove GmbH aus Selm, lernten sie das Dachdeckerhandwerk ganz praktisch kennen und erhielten Einblicke in einen Beruf, der traditionelles Handwerk mit moderner Energie- und Gebäudetechnik verbindet.
Der Projekttag fand im Rahmen des berufsorientierenden Technikkurses des zdi-Netzwerks Perspektive Technik statt, das bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna (WFG) angesiedelt ist. Gemeinsam mit dem Projekt „Sanieren mit Zukunft“ der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe sowie den Kreisen Soest und Unna entstand innerhalb eines Schultages ein kompletter mobiler Dachstuhl. Dabei erfuhren die Jugendlichen unter anderem, welche Bedeutung Dachdeckerinnen und Dachdecker für die Energiewende haben – etwa durch die Installation von Photovoltaikanlagen oder moderne Wärmedämmung.
Für Jörg Zurhove war der Projekttag weit mehr als ein Schulprojekt. Gemeinsam mit einem Gesellen investierte er einen ganzen Arbeitstag, um jungen Menschen sein Handwerk näherzubringen und frühzeitig für eine Ausbildung zu begeistern. „Ich möchte den Nachwuchs mit diesem Praxisangebot für unsere Arbeit begeistern, das Image des Handwerks stärken und zeigen, wie vielfältig unser Beruf ist. Es geht eben nicht darum, nur Dachpfannen aufs Dach zu werfen“, sagt Zurhove. Während des gemeinsamen Bauens erklärte er den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Materialien und Dachaufbauten, den Einsatz von PV-Modulen sowie die Bedeutung einer guten Wärmedämmung. Gleichzeitig konnte sich sein Betrieb als moderner Ausbildungsbetrieb präsentieren und mit potenziellen Nachwuchskräften ins Gespräch kommen.
Auch für die Schülerinnen und Schüler bot der Projekttag einen besonderen Mehrwert. Sie konnten handwerkliche Tätigkeiten selbst ausprobieren, Verantwortung übernehmen und erleben, wie aus einzelnen Holzbalken Schritt für Schritt ein Dachstuhl entsteht. So wurden Berufsbilder greifbar und eigene Talente konnten unmittelbar getestet werden – eine wichtige Erfahrung für die spätere Berufsorientierung.
„Berufsorientierung funktioniert am besten, wenn junge Menschen selbst mit anpacken können“, sind sich Laura Knepper von der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe und Matthias Müller von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna einig. „Durch das praktische Ausprobieren entdecken die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten und erhalten gleichzeitig ein realistisches Bild von den vielfältigen Karrierechancen im Handwerk. Davon profitieren am Ende auch die Betriebe, die frühzeitig mit potenziellen Auszubildenden in Kontakt kommen.“
Der Kurs wurde im Rahmen des Programms zdi-BSO-MINT aus Mitteln der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sowie des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Der mobile Dachstuhl steht interessierten Handwerksbetrieben, Bildungseinrichtungen und Initiativen für Präsentations- und Bildungszwecke auf Anfrage bei der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe zur Verfügung.